Elisabeth Moers

Vita

ich
ich

Stationen

1963-67
Ausbildung an der Schule für Gestaltung und Kunst, Zürich
bis 1977
Designerin in Florenz, St. Gallen und Zürich
1990-93
Studien an den internationalen Sommerakademien Trier und Marburg
1994-95
Radieren bei Peter und Christina Rall, Lithohandpress Zürich
1995-2007
Unterrichtstätigkeit für freie Malerei im Kulturhaus „Alte Fabrik", Rapperswil
2008-2014
Unterrichtstätigkeit im eigenen neuen Atelier in Stäfa
1995-2004
Mitglied der GSBK, Gesellschaft schweizerischer bildender Künstlerinnen
1996-99
Ausbildung in Körper/Psychosynthese
1997/98
Teilnahme am Kunstsommer Irsee bei Peter Chevalier und Rudolf Schoofs
2001
Teilnahme am Kunstsommer Irsee „großformatige Malerei" bei Peter Casagrande
2001
Studien an der Hochschule für Gestaltung und Kunst, Zürich
2004
Teilnahme am Kunstsommer Irsee, Objektkunst bei Willi Siber
2004
Mitglied VISARTE, Berufsverband visuelle Kunst, Schweiz
2005
„Raum für Kunst und Stille" - Bau eines eigenen Ateliers in Stäfa
2006
Teilnahme am Kunstsommer Irsee, grossformatige Malerei
2008
Winterakademie Kisslegg
2016
Bezug eines neuen Ateliers an der Benderbülstrasse in Stäfa
2016
Umgestaltung von "Raum für Kunst und Stille" als Ausstellungs- und Wohnraum
2019
Umzug in die Weberei der ehem. Stoffelsfabrik mit Wohnen und Atelier
2024
Umzug nach Stäfa in die Atelierwohnung im Lee 8
2025
neues, temporäres Atelier an der Grundstrasse 9, Stäfa

Texte der Künstlerin

Zu den intuitiven Bildern

JENSEITS VON RICHTIG UND FALSCH LIEGT EIN GARTEN. DA WERDE ICH DIR BEGEGNEN. RUMI

Viele Jahre lang beschäftigte ich mich allein mit konkreter Malerei, mit Rechtecken, Streifen und Quadraten. Nach und nach fing ich die Konturen an zu verwischen: Andeutungen, dass zwischen den Grenzen auch Freiheit liegt.

Aber was ist Freiheit? Für mich ist es das Einlassen auf einen Prozess, von dem ich nicht weiss, wohin er mich führt. So erlaube ich mir jeden Tag das Werk des vorangegangenen wieder teilweise oder ganz zu übermalen.

Für die intuitiven Bilder beginne ich mit einer kurzen Meditation und einer "ungeplanten" Vorgehensweise: zuerst schreibe ich mit grossen Buchstaben ein Heil- oder Seins-Wort auf die weisse Leinwand. Dann trage ich Schicht für Schicht Farben auf, bis das Energiefeld so stark angereichert ist, dass ein Funke überspringen kann.

So wie Masuro Emoto entdeckte, dass Wasser Worte oder auch Musik aufnimmt und sich damit die Wasserkristalle verändern, so spüre ich, dass die Farbe, beziehungsweise das Bild auch auf Worte reagiert, aber genau so auf die Stimmungen und Haltung des Malenden.

Während der Arbeit fotografiere ich die verschiedenen Zustände. Sie geben Einblick in den Entstehungsprozess und machen die Veränderungen sichtbar, die sonst im fertigen Bild eingeschlossen bleiben. Zudem geben mir diese Unterbrechungen die Möglichkeit, das Gemalte auf Distanz zu betrachten und zu spüren, was das Bild von mir noch braucht. Grössere Pausen von mehreren Tagen lösen oft einen mutigen „Kurswechsel" aus. Solche Prozesse nenne ich „Lebensschule", denn sie lehren mich an nichts anzuhaften.

Die so entstandenen Bilder bieten Räume, die Empfindungen enthalten und die der Betrachter nach seiner eigenen Vision gestalten und bewohnen kann.

Zu den konkreten Werken

FARBE UND WIRKUNG

Stille, Leuchtkraft, Farbe und Symbolik – klare und verwischte Grenzen, aber auch Balance, Harmonie und Konzentration sind Begriffe, die ich in meinen Werken zum Ausdruck bringen möchte.

Die Erfahrung, dass Stille ein grosses Potential an Präsenz in sich birgt, hat mich über die Jahre des kreativen Schaffens immer mehr zur Reduktion gebracht. Rechtecke, Quadrate, Streifen, bis hin zu beinahe monochromen Farbfeldern, sind mir ein Gerüst, auf dem sich die Farben entfalten können. Verwischte Grenzen und das Stehen lassen von Arbeitsspuren werden zu Andeutungen, dass zwischen den Grenzen auch die Freiheit liegt.

Der Malprozess entwickelt sich in vielen Schichten, weil ich die Erfahrung mache, dass Energie und Empfindung, die ich hineingebe, letztendlich wieder auf den Betrachter zurückstrahlen. So verbirgt sich hinter einer auf den ersten Blick einfarbigen Oberfläche eine sehr komplexe Vielfarbigkeit und Vieldeutigkeit.

Dieser Malprozess, der auch an den Holzobjekten und mehrschichtigen Bildobjekten sichtbar ist, hat, wie ich meine, viel mit dem Leben allgemein zu tun. Wir lernen, verändern, entscheiden uns neu – und im Laufe der Entwicklung bleiben „Erfahrungsspuren" hängen, die Reichtum erzeugen. Einige der Holzobjekte sind Fragmente von gebrauchtem Bauholz, wie zum Beispiel jenes, das zum Bau des eigenen Ateliers gebraucht wurde. Durch Verwitterung, Betonrückstände, Nagellöcher und rauem Umgang, bringt es seine eigene Geschichte mit. – Durch mehrmalige Übermalung der Frontseite kann eine Zwiesprache zwischen den Verletzungen des Holzes und dem Farbauftrag entstehen, die zu einer neugewonnen Schönheit führt. Holzstäbe, die in meinem Atelier als Unterlage gebraucht und so auch ihre eigenen Spuren und Geschichten mitbekamen, habe ich in wenigen Arbeiten mit dem Bauholz kombiniert.

Mein Interesse an der Wirkung der Farben auf die Psyche des Menschen hat mich auch zum Malen von Gesichtern inspiriert, denen ich, je nach Ausdruck, eine Farbe zuordnete.

Es ist mir Motivation und Anliegen Werke zu schaffen, die Ruhe ausstrahlen, denn ich sehe Balance und Harmonie nicht als etwas Gegebenes an, sondern als etwas, das man suchen und erfahren kann.

Zu den realistischen Werken

In der Zeitspanne von 2020 bis 2025, in denen ich in Mels wohnte, waren meine bevorzugten Spaziergänge der naturgeschützte Rhein-Wald bei Sargans und um den Giessensee in Bad Ragaz. An einem windstillen Herbsttag spiegelte sich die Natur dermassen klar im Wasser, dass das Unten wie das Oben erschien. Absolut fasziniert fotografierte ich die beinahe irreale Szene. Darauf folgte eine Reihe Bilder, um festzuhalten, was eigentlich nicht festzuhalten ist.

Elisabeth Moers